Wer Windkraft säht, wird was ernten?

Der folgende Artikel ist im “Hingugger“, der Publikation der “Reinheim Kreis” am 23.10.2015 erschienen und verfasst von Wolfgang Krenzer.

Es begann völlig harmlos: Im Energiebericht der Stadt Reinheim erschien 2014 lapidar die Aussage, dass auf den Hügeln  bei Ueberau in der Nähe der Hundertmorgen ein paar Windräder aufgestellt werden könnten. Es dauerte einige Zeit bis diese Aussage sich aus dem kleinen Kreis des Energietisches herum sprach und für Unruhe unter der Bevölkerung sorgte. Eine offene und transparente Kommunikation über das Interesse von Projektgesellschaften und die Durchführung von entsprechenden Untersuchungen hätte die Gerüchteküche vermeiden können und die Anwohner angemessen einbezogen. So mussten die Anwohner von sich aus aktiv werden und Informationen einfordern. Besonders die Einwohner der Hundertmorgen machen sich Sorgen, da diese Industrieanlagen direkt vor ihre die Haustüre gepflanzt werden sollen. Eine Bürgerinitiative gründete sich, an der auch Menschen aus Groß-Bieberau und Otzberg Mitglieder wurden. Deren Ziel ist klar, keine Windräder in Reinheim und seinen Nachbargemeinden.

Nun erhebt sich die Frage, wo denn die Energie herkommen soll, da Atomstrom in Deutschland nicht mehr gewollt wird. Solarstrom hat heute schon einen beachtlichen Anteil im Energiemix, und umweltfreundliche Gasturbinenkraftwerke sorgen für eine ausfallsichere Grundlastversorgung. Doch gehört auch Gas zu den fossilen Brennstoffen und ist somit endlich. Wind dagegen ist wie Sonne und Geothermie unerschöpflich und fast überall vorhanden. Allerding ist die Verteilung ungleich: Windenergie ist nur im Norden reichlich vorhanden, im Süden dagegen ist die Ausbeute eher gering und schon so mancher Betreiber von Windkraftanlagen musste seine Ertragserwartungen drastisch nach unten korrigieren. Ueberau z.B liegt an der unteren Grenze der notwendigen Windstärke, die vor Ort bislang nicht einmal gemessen, sondern nach statistischen Daten geschätzt wurde.

Der aus unserer Sicht notwendige Einsatz erneuerbarer Energien sollte aber nicht aus ideologischen Standpunkten entschieden werden, sondern nach der Sinnhaftigkeit und nach sorgfältiger Abwägung aller individueller Faktoren an den jeweiligen Standorten in Einzelfallprüfung. Eine politische und gesellschaftliche Bewertung findet dabei in der Öffentlichkeit und den politischen Gremien vor Ort statt und hat nichts mit den späteren Formalprüfungen der Entscheidungsbehörde zu tun.

Wir als Reinheimer Kreis wollen nicht den Ausbau und die Entwicklung erneuerbarer Energien behindern. Wir wollen aber auch nicht, dass entgegen dem Willen der Bevölkerung solch gravierende Eingriffe in die Umwelt und das Landschaftsbild vorgenommen werden. Dazu kommt, dass es sich bei den fraglichen Flächen nicht um gemeindeeigene Flächen, wie z.B. im Fall von Roßdorf handelt. Einnahmen aus der Pacht kämen damit nicht der Kommune und der Allgemeinheit zu Gute, sondern direkte Nutzniesser sind wenige Privatpersonen. Inwieweit die Anlagen die Gesundheit beeinflussen ist umstritten, wir wollen aber, dass sowohl der Schutz von Mensch als auch Tier Vorrang vor kommerziellen Interessen Einzelner hat.

Unglücklicherweise gibt es keine bundeseinheitlichen Regelungen zum erforderlichen Abstand von Windkraftanlagen. Hier werden Entscheidungsträger vor Ort mal wieder allein gelassen. Die Vorgaben der hessischen Landesregierung sehen 1000 Meter zu Siedlungen und 600 Meter zu Splittersiedlungen vor. Diese resultieren v.a. aus der Erkenntnis, dass bei strengeren Abstandsregelungen in Hessen kaum noch Flächen für Windkraft in Frage kämen. Allerdings ist diese Vorgabe starr und berücksichtigt nicht, dass die modernen Anlagen immer höher werden und immer größere Rotorenblätter bekommen. Der Reinheimer Kreis ist der Meinung, dass ein Abstand zu jedweder Art von Wohnsiedlungen nach bayerischem Vorbild, nämlich 10 mal die Höhe der Anlage eingehalten werden muss, und dass keine seltene Vogelart wie der Rotmilan in Mitleidenschaft gezogen werden dürfen. Da diese Abstände hier nicht eingehalten werden können, lehnen wir die Windkraftanlagen im Reinheimer Umfeld ab.

Quelle: Hingugger, 23.10.2015

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